Seelenkräfte

Drei Seelenkräfte

„Drei grundlegende Seelenkräfte oder Seelenfähigkeiten, die das Seelenleben des heutigen Menschen prägen, lassen sich deutlich unterscheiden: das Denken, das Fühlen und das Wollen. Diese Dreigliederung des Seelenlebens wurde erstmals von Johannes Nikolaus Tetens (1736-1807) klar beschrieben, der eine „psychologische Analyse der Seele“ nach naturwissenschaftlicher Methode anstrebte.

Die Trennung dieser drei Seelenkräfte ist nicht in allen drei seelischen Wesensgliedern gleich stark ausgeprägt. In der Empfindungsseele sind Denken, Fühlen und Wollen noch sehr stark ineinander verwoben. In der Verstandes- oder Gemütsseele setzt sich das Wollen bereits deutlich ab, während Denken und Fühlen noch eng miteinander verbunden sind. Erst mit der Bewusstseinsseele beginnt die vollständige Trennung aller drei Seelenkräfte. Ein vollständige Trennung der drei Seelenkräfte wird auch durch eine entsprechend vorangeschrittene Geistesschulung erreicht, die bis zu einer Spaltung der Persönlichkeit führt.

„Wir unterscheiden zwar diese drei Seelenfähigkeiten, Denken, Fühlen und Wollen, aber in dem einheitlichen Leben der Seele sind sie durchaus nicht in strenger Weise von einander geschieden. Man müßte eigentlich sagen: Wenn wir vom Denken, vom Vorstellen reden, so reden wir von einer Seelenfähigkeit, in der durchaus zum Beispiel der Wille und auch das Gefühl drinnen ist, aber es ist hauptsächlich das Denken drinnen. Im Willen wiederum sind durchaus Gedanken drinnen, aber es ist hauptsächlich Wille drinnen. So ist es nur das Hervorstechendste, das in den einzelnen Seelenfähigkeiten bezeichnet wird, während überall unter der Oberfläche, kann man sagen, auch die anderen Seelenfähigkeiten liegen.“ (Lit.: GA 82, S. 120f)